
37. Polizei
Ex-Polizeipräsident in
Bedrängnis
Der frühere Polizeipräsident von Südosthessen, Heinrich Bernhardt, soll eine Intrige gegen unliebsamen Beamten gesponnen haben. Innenminister Boris Rhein (CDU) schweigt zu den Vorwürfen.
Ein Polizist aus Offenbach erhebt schwere Vorwürfe gegen den früheren Polizeipräsidenten von Südosthessen, Heinrich Bernhardt. Hinter dem Rücken des Betroffenen soll der Polizeichef versucht haben, den unbequemen Beamten kaltzustellen.
Das geht aus einer E-Mail Bernhardts hervor, die der betroffene 31-jährige Polizist S. in seinen bisher geheim gehaltenen Akten gefunden hat. Das Polizeipräsidium Südosthessen wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern und teilte mit, das gelte auch für den Ex-Präsidenten Bernhardt.
„Leider können wir Herrn S. nicht in ,Luft auflösen’“, mailte Bernhardt den Akten zufolge im Juli 2009 an ranghohe Polizisten der Bereitschaftspolizei, seines eigenen Präsidiums und an Mitarbeiter des Zentralen Polizeipsychologischen Dienstes (ZPD). Dem Betroffenen warf Bernhardt eine „fehlgeleitete psychologische Einstellung“ vor.
„Bisher haben uns die eingeschalteten Stellen (Ärzte, ZPD) noch nicht helfen können“, schrieb der Polizeipräsident in der Mail, die dem Hessischen Rundfunk und der Frankfurter Rundschau vorliegt. Nun solle eine Polizistin, mit der S. eine private Auseinandersetzung führte, bewegt werden, Anzeige gegen den Polizisten zu stellen. Die E-Mail gehört zu rund 100 Seiten schwarzer Akten, die der Betroffene erst nach einer Klage vor dem Verwaltungsgericht einsehen konnte.
Heinrich Bernhardt ist nicht irgendwer. Er amtierte unter anderem als Vizechef der Frankfurter Polizei und des Landespolizeipräsidiums. Bei seiner Verabschiedung 2010 sagte der damalige Innenminister und heutige Regierungschef Volker Bouffier (CDU): „Mit Ihnen verlässt einer der ganz Großen die hessische Polizei.“
Der Offenbacher S. sieht das ganz anders. Der Betroffene sagte der Frankfurter Rundschau, er lasse seinen Anwalt prüfen, ob Bernhardt wegen Urkundenunterdrückung belangt werden könne. Außerdem erwäge er eine Klage auf Schmerzensgeld gegen das Land.
Der Polizist war wenige Tage vor Bernhardts E-Mail in einem Gutachten des ZPD für dienstuntauglich erklärt worden. Seitdem darf er nach eigenen Angaben nicht mehr zum Dienst erscheinen. S. zweifelt den Wert des Gutachtens an und erwägt eine Beschwerde bei der Psychotherapeutenkammer gegen die Gutachter. Sie hätten aufgrund falscher Angaben in Akten, die ihm vorenthalten wurden, entschieden.
Die ehemalige Kollegin hatte ihn bezichtigt, er verfolge sie. Polizist S. bezeichnet dies als frei erfunden. Er habe seit Jahren keinen Kontakt zu der Frau. Dennoch hatte ihn auch Innenminister Boris Rhein (CDU) im Dezember in einer Sitzung des Innenausschusses öffentlich als Stalker bezeichnet, dies aber gleich wieder revidiert.
Das Innenministerium teilte angesichts der neuen Vorwürfe mit, es äußere sich nicht „zu internem Schriftverkehr“. Die SPD sagte, Rhein dürfe nicht schweigen. Das Führungsverhalten Bernhardts sei „untragbar“, urteilte die SPD-Innenpolitikerin Nancy Faeser. Der Ex-Polizeipräsident habe offenbar das Ziel verfolgt, „einen Polizeibeamten mit allen Mitteln aus dem Dienst zu drängen“.
Der Linken-Abgeordnete Hermann Schaus sagte: „Sollten die Vorwürfe stimmen, dann hätte der ehemalige Polizeipräsident von Südosthessen die Verfolgung Unschuldiger betrieben und zu Falschaussagen und gezieltem Mobbing aufgefordert.“ Es wäre „unfassbar“, wenn dies vom Innenministerium „über Jahre gedeckt“ worden sei, so der Linke.
Polizei-Affären: Scheibchenweise
Aufarbeitung durch Betroffene
statt Aufklärung durch
Verantwortliche und den
Innenminister ist ein Skandal
Bemerkenswert ist, dass es bis heute weder vom Innenminister, noch vom neuen Landespolizeibeauftragten einen einzigen Beitrag zur Aufklärung gibt. Diese betreiben Betroffene, Gerichte und die Opposition - das ist ein Skandal an sich."
DIE LINKE habe gut daran getan, die Polizei-Affären immer wieder zu thematisieren, so Schaus. Der Fisch stinke vom Kopfe her! Das gelte unter Hessens ehemaligem Innenminister Bouffier für die Polizei in besonderem Ausmaß. Auch sein Nachfolger im Innenministerium habe bisher jede Chance verpasst, seinen Ankündigungen endlich die entsprechenden Handlungen folgen zu lassen.
Schaus: „DIE LINKE wird am morgigen Mittwoch im Innenausschuss Minister Rhein zu dem Thema befragen. Wir wollen wissen, welche Informationen dem Minister in der im vergangenen Dezember in der von der LINKEN beantragten Sondersitzung vorlagen. Schließlich steht der Verdacht im Raum, dass er die Unwahrheit über den betroffenen Polizisten gesagt hat."
Neuer Mobbing-Skandal bei
der hessischen Polizei???
Wann werden die ganzen
Skandale in Hessen
aufgeklärt???
Mobbing-Vorwurf
Ex-Polizeipräsident beschuldigt
Eilmeldung: Politik in Hessen
bestätigt Mobbingvorgänge???
Polizei Nancy Faeser (SPD):
Mobbingvorgänge bei Polizei
bestätigt
Polizei
Nancy Faeser (SPD):
Mobbingvorgänge bei Polizei bestätigt
Nicht nur die Wortwahl der in dem hr-Bericht teilweise zitierten E-Mail des Polizeipräsidenten, in der dieser unter anderem bedauere, dass man den Beamten „nicht in Luft auflösen“ könne, sei für eine Führungsposition inakzeptabel.
„Statt seine Aufgaben der Personalführung wahrzunehmen und Konflikte aufzuklären und zu entschärfen, hatte der ehemalige Polizeipräsident offenbar das klare Ziel, einen Polizeibeamten mit allen Mitteln aus dem Dienst zu drängen“, stellte Faeser fest.
Erschwerend komme hinzu, dass die vermeintlichen Vorwürfe gegen den Polizeibeamten, die Bernhardt als Begründung für sein rücksichtsloses Vorgehen herangezogen hatte, inzwischen durch Verfahrenseinstellungen widerlegt seien. Dennoch habe der Polizeipräsident die berufliche Karriere des Betroffen ruinieren wollen.
Die Sozialdemokratin hält ein solches Führungsverhalten für untragbar und fordert den Innenminister Rhein auf, nicht nur zu den Vorwürfen gegenüber dem ehemaligen Spitzenbeamten der Polizei zu schweigen, sondern sich auch zu diesem Fehlverhalten zu positionieren.
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