Rhein-Main - 8 | 6 | 2011

37. Polizei


Ex-Polizeipräsident in


Bedrängnis


 
Von Pitt von Bebenburg

Der frühere Polizeipräsident von Südosthessen, Heinrich Bernhardt, soll eine Intrige gegen unliebsamen Beamten gesponnen haben. Innenminister Boris Rhein (CDU) schweigt zu den Vorwürfen.

Ein Polizist aus Offenbach erhebt schwere Vorwürfe gegen den früheren Polizeipräsidenten von Südosthessen, Heinrich Bernhardt. Hinter dem Rücken des Betroffenen soll der Polizeichef versucht haben, den unbequemen Beamten kaltzustellen.

Das geht aus einer E-Mail Bernhardts hervor, die der betroffene 31-jährige Polizist S. in seinen bisher geheim gehaltenen Akten gefunden hat. Das Polizeipräsidium Südosthessen wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern und teilte mit, das gelte auch für den Ex-Präsidenten Bernhardt.

„Leider können wir Herrn S. nicht in ,Luft auflösen’“, mailte Bernhardt den Akten zufolge im Juli 2009 an ranghohe Polizisten der Bereitschaftspolizei, seines eigenen Präsidiums und an Mitarbeiter des Zentralen Polizeipsychologischen Dienstes (ZPD). Dem Betroffenen warf Bernhardt eine „fehlgeleitete psychologische Einstellung“ vor.

„Bisher haben uns die eingeschalteten Stellen (Ärzte, ZPD) noch nicht helfen können“, schrieb der Polizeipräsident in der Mail, die dem Hessischen Rundfunk und der Frankfurter Rundschau vorliegt. Nun solle eine Polizistin, mit der S. eine private Auseinandersetzung führte, bewegt werden, Anzeige gegen den Polizisten zu stellen. Die E-Mail gehört zu rund 100 Seiten schwarzer Akten, die der Betroffene erst nach einer Klage vor dem Verwaltungsgericht einsehen konnte.

Heinrich Bernhardt ist nicht irgendwer. Er amtierte unter anderem als Vizechef der Frankfurter Polizei und des Landespolizeipräsidiums. Bei seiner Verabschiedung 2010 sagte der damalige Innenminister und heutige Regierungschef Volker Bouffier (CDU): „Mit Ihnen verlässt einer der ganz Großen die hessische Polizei.“

Der Offenbacher S. sieht das ganz anders. Der Betroffene sagte der Frankfurter Rundschau, er lasse seinen Anwalt prüfen, ob Bernhardt wegen Urkundenunterdrückung belangt werden könne. Außerdem erwäge er eine Klage auf Schmerzensgeld gegen das Land.

Der Polizist war wenige Tage vor Bernhardts E-Mail in einem Gutachten des ZPD für dienstuntauglich erklärt worden. Seitdem darf er nach eigenen Angaben nicht mehr zum Dienst erscheinen. S. zweifelt den Wert des Gutachtens an und erwägt eine Beschwerde bei der Psychotherapeutenkammer gegen die Gutachter. Sie hätten aufgrund falscher Angaben in Akten, die ihm vorenthalten wurden, entschieden.

Die ehemalige Kollegin hatte ihn bezichtigt, er verfolge sie. Polizist S. bezeichnet dies als frei erfunden. Er habe seit Jahren keinen Kontakt zu der Frau. Dennoch hatte ihn auch Innenminister Boris Rhein (CDU) im Dezember in einer Sitzung des Innenausschusses öffentlich als Stalker bezeichnet, dies aber gleich wieder revidiert.

Das Innenministerium teilte angesichts der neuen Vorwürfe mit, es äußere sich nicht „zu internem Schriftverkehr“. Die SPD sagte, Rhein dürfe nicht schweigen. Das Führungsverhalten Bernhardts sei „untragbar“, urteilte die SPD-Innenpolitikerin Nancy Faeser. Der Ex-Polizeipräsident habe offenbar das Ziel verfolgt, „einen Polizeibeamten mit allen Mitteln aus dem Dienst zu drängen“.

Der Linken-Abgeordnete Hermann Schaus sagte: „Sollten die Vorwürfe stimmen, dann hätte der ehemalige Polizeipräsident von Südosthessen die Verfolgung Unschuldiger betrieben und zu Falschaussagen und gezieltem Mobbing aufgefordert.“ Es wäre „unfassbar“, wenn dies vom Innenministerium „über Jahre gedeckt“ worden sei, so der Linke.

Copyright © 2010 Frankfurter Rundschau



Polizei-Affären: Scheibchenweise


Aufarbeitung durch Betroffene


statt Aufklärung durch


Verantwortliche und den


Innenminister ist ein Skandal



Dienstag, den 07. Juni 2011

Zum Bekanntwerden eines skandalösen und denunzierenden Schreibens des ehemaligen Polizeipräsidenten Heinrich Bernhard erklärt Hermann Schaus, innenpolitischer Sprecher und Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion DIE LINKE. im Hessischen Landtag:
„Sollten die Vorwürfe stimmen, dann hätte der ehemalige Polizeipräsident von Südosthessen die Verfolgung Unschuldiger betrieben und zu Falschaussagen und gezieltem Mobbing aufgefordert. Es ist unfassbar, wenn in der Hessischen Polizei mit kriminellen Methoden missliebige Beamtinnen und Beamte weggemobbt werden. Noch unfassbarer ist es, wenn das Innenministerium diese Linie über Jahre gedeckt haben sollte. Anders ist es allerdings kaum zu erklären, dass unter Volker Bouffier (CDU) alle Fälle von Mobbing geleugnet wurden. Und dass Bouffiers Nachfolger Boris Rhein (CDU) den betroffenen Beamten im Innenausschuss sogar fälschlicherweise als gefährlichen Stalker bezeichnet hat.
Bemerkenswert ist, dass es bis heute weder vom Innenminister, noch vom neuen Landespolizeibeauftragten einen einzigen Beitrag zur Aufklärung gibt. Diese betreiben Betroffene, Gerichte und die Opposition - das ist ein Skandal an sich."
DIE LINKE habe gut daran getan, die Polizei-Affären immer wieder zu thematisieren, so Schaus. Der Fisch stinke vom Kopfe her! Das gelte unter Hessens ehemaligem Innenminister Bouffier für die Polizei in besonderem Ausmaß. Auch sein Nachfolger im Innenministerium habe bisher jede Chance verpasst, seinen Ankündigungen endlich die entsprechenden Handlungen folgen zu lassen.
Schaus: „DIE LINKE wird am morgigen Mittwoch im Innenausschuss Minister Rhein zu dem Thema befragen. Wir wollen wissen, welche Informationen dem Minister in der im vergangenen Dezember in der von der LINKEN beantragten Sondersitzung vorlagen. Schließlich steht der Verdacht im Raum, dass er die Unwahrheit über den betroffenen Polizisten gesagt hat."



 

Neuer Mobbing-Skandal bei


der hessischen Polizei???



Wann werden die ganzen


Skandale in Hessen 


aufgeklärt???


 

Mobbing-Vorwurf

 

Ex-Polizeipräsident beschuldigt


 
Neuer Mobbing-Vorwurf gegen die hessische Polizeiführung: Der Ex-Präsident des Polizeipräsidiums Südosthessen soll versucht haben, eine Polizistin zu einer Strafanzeige gegen einen Kollegen zu motivieren - um ihn loszuwerden.
 
 
Die Vorwürfe gegen den ehemaligen Präsidenten des Polizeipräsidiums Südosthessen in Offenbach, Heinrich Bernhardt, werden von einem Oberkommissar erhoben, gegen den zeitweise wegen Stalking und Erpressung ermittelt wurde.

Der 31 Jahre alte Oberkommissar bezieht sich bei seinen Vorwürfen auf eine hr-iNFO vorliegende E-Mail von Bernhardt an Führungskräfte der Polizei, in der es um den Oberkommissar geht. "Leider können wir Herrn S. nicht in Luft auflösen", steht in dem Schreiben vom 30. Juli 2009. Das Verhalten des Oberkommissars entspringe einer fehlgeleiteten psychologischen Einstellung, die beseitigt werden müsse, so die E-Mail weiter.


Der Plan: Eine junge Polizistin solle motiviert werden, Strafanzeige gegen den Oberkommissar wegen angeblichen Stalkings zu stellen, damit man ihn über eine Suspendierung loswerden könne. Die Führungskräfte ermahnte Bernhardt, dem Oberkommissar "nicht auf den Leim zu gehen". Man entzog dem Mann außerdem die Dienstwaffe und verbreitete in Dienstbesprechungen, er sei suizidgefährdet.
 
hr - Gebühren für gutes Programm
Informationen zur Rundfunkgebühr

Stalking-Vorwürfe gegen Kommissar entkräftet

Die E-Mail bekam der betroffene Beamte erst jetzt zu Gesicht, nachdem er vor dem Darmstädter Verwaltungsgericht auf Einblick in seine Personalakte geklagt hatte.

Sämtliche Vorwürfe gegen ihn wurden mittlerweile durch Verfahrenseinstellungen widerlegt, Straftaten wie Stalking hat es demnach nie gegeben. Der Oberkommissar weiß auch nichts von einem gegen ihn eingeleiteten Disziplinarverfahren. Er überlegt sich nun rechtliche Schritte gegen Bernhardt und das Land Hessen.
 

Innenminister schweigt zu Vorgang

Innenminister Boris Rhein (CDU) hatte sich im vergangenen Dezember in einer Ausschuss-Sitzung des Landtags zum Thema Mobbing bei der Polizei über den Beamten geäußert und ihn einer Straftat bezichtigt, diesen Vorwurf aber noch in der Sitzung wieder zurückgenommen.

Ob dem Minister zu diesem Zeitpunkt das Schreiben des früheren Polizeipräsidenten bekannt war, wollte das Ministerium auf hr-iNFO-Anfrage nicht sagen. Auch zum Inhalt der E-Mail gab es aus dem Innenministerium keine Stellungnahme. Im Polizeipräsidium Südosthessen äußert man sich ebenfalls nicht – unter Verweis auf ein "laufendes Verfahren, in dem die Dienstfähigkeit des Beamten geprüft wird".


SPD: "Mobbing von ganz oben"


Die innenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag, Nancy Faeser, bezeichnete das Verhalten des Ex-Polizeipräsidenten als "neuerlichen Beweis für die Missstände bei der hessischen Polizei". Nicht nur die Wortwahl der in dem hr-Bericht teilweise zitierten E-Mail des Polizeipräsidenten, in der dieser unter anderem bedauere, dass man den Beamten "nicht in Luft auflösen" könne, sei für eine Führungsposition inakzeptabel. "Das ist Mobbing von ganz oben und schlicht rechtswidrig."


Faeser forderte Innenminister Rhein am Dienstag auf, nicht nur zu den Vorwürfen gegenüber dem ehemaligen Spitzenbeamten der Polizei zu schweigen, sondern sich auch zu diesem Fehlverhalten zu positionieren.
 
Redaktion: kim / alb
Bild: © picture-alliance/dpa
Letzte Aktualisierung: 7.06.2011, 12:52 Uhr



 

Eilmeldung: Politik in Hessen


bestätigt Mobbingvorgänge???



Polizei Nancy Faeser (SPD):


Mobbingvorgänge bei Polizei


bestätigt



 
Wiesbaden, 07. Juni 2011

Polizei


Nancy Faeser (SPD):


Mobbingvorgänge bei Polizei bestätigt


 
 
Die innenpolitische Sprecherin der hessischen SPD-Landtagsfraktion Nancy Faeser hat die gestrige Berichterstattung auf hr-info über das Verhalten des ehemaligen Offenbacher Polizeipräsidenten Bernhard gegenüber einem Polizeibeamten, als „neuerlichen Beweis für die Missstände bei der hessischen Polizei“ bezeichnet. „Wieder einmal bestätigt ein Vorgang im Polizeipräsidium Offenbach, dass die gegenüber der Polizeiführung erhobenen Vorwürfe mehr als berechtigt sind“, sagte die SPD-Innenpolitikerin am Dienstag in Wiesbaden.

Nicht nur die Wortwahl der in dem hr-Bericht teilweise zitierten E-Mail des Polizeipräsidenten, in der dieser unter anderem bedauere, dass man den Beamten „nicht in Luft auflösen“ könne, sei für eine Führungsposition inakzeptabel.

„Statt seine Aufgaben der Personalführung wahrzunehmen und Konflikte aufzuklären und zu entschärfen, hatte der ehemalige Polizeipräsident offenbar das klare Ziel, einen Polizeibeamten mit allen Mitteln aus dem Dienst zu drängen“, stellte Faeser fest.

Erschwerend komme hinzu, dass die vermeintlichen Vorwürfe gegen den Polizeibeamten, die Bernhardt als Begründung für sein rücksichtsloses Vorgehen herangezogen hatte, inzwischen durch Verfahrenseinstellungen widerlegt seien. Dennoch habe der Polizeipräsident die berufliche Karriere des Betroffen ruinieren wollen.

Die Sozialdemokratin hält ein solches Führungsverhalten für untragbar und fordert den Innenminister Rhein auf, nicht nur zu den Vorwürfen gegenüber dem ehemaligen Spitzenbeamten der Polizei zu schweigen, sondern sich auch zu diesem Fehlverhalten zu positionieren.