11. Polizei-Mobbing-Affäre in Hessen?
Der Fall Jochen Z. aus Frankfurt und der Fall S.T.
???
Freitag, 16. September 2011
Wird der LKA-Skandal zum Skandal des Innenministerium??? Ist die Ex-LKA-Chefin zum Mobbing-Opfer geworden??? Kinkerlitzchen im Kriminalamt
Kinkerlitzchen im Kriminalamt
Neue Dokumente zeigen: Deshalb wurde LKA-Chefin Sabine Thurau wirklich gefeuert
Überraschung in der Polizei-Affäre um Sabine Thurau: Die Vorwürfe gegen die LKA-Präsidentin, die von Innenminister Rhein zum 30. September gefeuert wurde, fallen mickriger aus als bislang verlautbart. Der Fall liegt vor Gericht, in zwei Wochen wird ein Urteil erwartet. Es wird spannend.Von Thomas Ruhmöller
Link:
http://www.fnp.de/fnp/region/hessen/kinkerlitzchen-im-kriminalamt_rmn01.c.9213822.de.html
www.google.de
Eilmeldung: Durchsuchungs-Skandal bei der Hessischen Polizei???
Thuraus Computer durchsucht. Hessens LKA-Chefin im Visier
Thuraus Computer durchsucht |
Hessen - Taunus Zeitung ...
http://www.fnp.de/tz/region/hessen/thuraus-computer-durchsucht_rmn01.c.9229844.de.html
Polizei-Skandal in Hessen???
Kommentar Machtkampf

Kommentar
Machtkampf
Foto: Alex Kraus
Im Jahr 2009 ernannte Rheins Vorgänger Volker Bouffier seinen Favoriten zum Präsidenten der Bereitschaftspolizei. Das Verwaltungsgericht hielt das mit Blick auf einen anderen Bewerber für rechtswidrig, kam aber zu spät: Bouffier hatte einfach schon Fakten geschaffen. Das werden sich die Richter nicht noch einmal bieten lassen wollen.
Rhein hätte besser daran getan, sich an seine ursprüngliche Zusage zu halten – dass er erst Fakten schafft, wenn staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen Thurau Ergebnisse zeitigen.
Einst hatte Rheins Vorgänger Bouffier die LKA-Präsidentin ausgewählt. Es zeugte von Mut, dass sich Rhein an sie herantraute, obwohl Bouffier inzwischen zum Ministerpräsidenten aufgestiegen war. Möglicherweise begeht Rhein aber nun genau den Fehler, den Bouffier einst im Fall der Bereitschaftspolizei begangen hat: Die Ungeduld siegt über die Vernunft.
LKA-Skandal, ist Frau S.T. ein
Bauernopfer???
Sabine Thurau: Mini-Sieg vor
Gericht
Sabine Thurau: Mini-Sieg vor Gericht
Innenminister Boris Rhein hatte Sabine Thurau am Freitag die Stelle entzogen – zum 30. September, endgültig. Rhein ordnete zugleich "sofortige Vollziehung" an: Er wollte den hochdotierten Posten (Besoldungsstufe B 5) offenbar möglichst schnell wieder neu besetzen.Dagegen aber zog Thuraus Anwalt Michael Hofferbert vors Verwaltungsgericht Wiesbaden. Und bevor das Gericht gestern eine Entscheidung treffen musste, lenkte die Innenbehörde schon ein: Bis zum Abschluss des erstinstanzlichen Eilverfahrens (Az 3 L 894/11) werde man keinen neuen LKA-Präsidenten berufen, versprach der Minister.
Eilmeldung:
Frühere LKA-Präsidentin
Rhein entlässt Thurau
endgültig
Frühere LKA-Präsidentin
Rhein entlässt Thurau endgültig
etwas im Staatsdienst zu suchen?
Polizei-Skandal Hessen???
Drohende Entlassung
Suspendierte LKA-Chefin
wehrt sich

Drohende Entlassung
Suspendierte LKA-Chefin wehrt sich
Foto: dapd
Zu Einzelheiten der Argumentation wollte sich Hofferbert nicht äußern. Er sagte der Frankfurter Rundschau jedoch: „Wenn das nach rechtsstaatlichen Kriterien zugeht, dann wird Frau Thurau wieder Präsidentin des Landeskriminalamts.“ Der „Kern der Vorwürfe“ gegen die Spitzenbeamtin sei „bereits in den strafrechtlichen Verfahren eindeutig widerlegt“. Das Innenministerium wollte sich am Dienstag nicht äußern.
Innenminister Boris Rhein (CDU) hatte Thurau Mitte Juni ihre Entlassung als LKA-Präsidentin mitgeteilt, weil sie „Defizite im gesamten Führungsverhalten“ aufweise. Die Betroffene erhielt ursprünglich eine Zwei-Wochen-Frist, um sich zu äußern, doch war diese Zeit nach Auseinandersetzungen über die Einsicht in Akten verlängert worden.
Hintergrund sind Mobbingvorwürfe gegen Thurau aus ihrer Zeit als Vizepräsidentin der Frankfurter Polizei, die in Ermittlungen wegen Falschaussage und Verfolgung Unschuldiger mündeten. Thurau bestreitet die Vorwürfe.
Im März sprach das Landgericht Frankfurt einem Polizisten Schmerzensgeld zu. Thurau soll den Beamten nach Feststellung des Gerichts vorverurteilt und dadurch ihre Fürsorgepflicht verletzt haben. Thurau wollte gegen das Urteil Berufung in Form einer „Nebenintervention“ einlegen, was aber nur mit Erlaubnis von Minister Rhein möglich gewesen wäre, da sie selbst lediglich als Zeugin im Prozess aufgetreten war. Der Minister verhinderte diesen Schritt.
Die LKA-Präsidentin war im April 2010 von Rheins Vorgänger Volker Bouffier berufen worden. Seit November lässt sie ihr Amt wegen der Vorwürfe ruhen.
Polizei-Skandal in Hessen???
Aufklärung???
Stillstand im Fall Thurau
Stillstand im Fall Thurau
Polizei: Kaum Fortschritte im Verfahren gegen abberufene Chefin des LandeskriminalamtsEine der heikelsten Rechtsstreitigkeiten in der Landespolitik zieht sich weiter in die Länge. Im Fall um die abberufene Präsidentin des hessischen Landeskriminalamts (LKA), Sabine Thurau, ist kein Fortschritt in Sicht. Sechs Wochen nachdem ihr mitgeteilt wurde, sie habe sich als LKA-Chefin nicht bewährt, liege noch nicht mal ihre Erklärung dazu vor, heißt es aus gut unterrichteten Kreisen. Das Ministerium habe ihr eine weitere Fristverlängerung gewährt, mittlerweile bis in den August hinein. Ungewiss ist damit, wann das Verwaltungsverfahren beendet wird. Im Anschluss droht zudem ein langwieriges Gerichtsverfahren.
Thurau wurde im März 2010 zur LKA-Präsidentin ernannt, gut acht Monate später aber von dem Posten vorübergehend versetzt. Grund waren zwei staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren. Mitte Juni wollte Innenminister Boris Rhein (CDU) dem Schwebezustand um die Spitzenbeamtin ein Ende machen, er leitete ein Verfahren zur Abberufung ein. Begründet wurde dieses mit ihrer „Nichtbewährung in der Probezeit“.
Offenbar sind aber die dafür vorgebrachten Gründe umstritten, etwa der Verweis auf die Ermittlungen der Staatsanwälte. Eines der beiden Verfahren wurde nach Aussage der Frankfurter Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu mittlerweile eingestellt. Bis wann und mit welchem Ergebnis das zweite Verfahren – zu einer möglichen Falschaussage Thuraus 2009 – zum Ende komme, stehe noch nicht fest. Zudem ist ungewiss, ob das Ministerium den damaligen Vorfall als Entlassungsgrund anführen kann; schließlich lag er vor ihrer Zeit als LKA-Präsidentin, damit vor der Probezeit. Andere vorgebrachte Verfehlungen Thuraus, Vorkommnisse während der acht Monate, sind nach Medienberichten hingegen von zweifelhafter Relevanz.
Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), der zum Zeitpunkt von Thuraus Beförderung Innenminister war, gibt sich derweil zurückhaltend: „Ich hoffe, dass man noch in überschaubarer Zeit zu entsprechenden Ergebnissen kommt, aber das bleibt abzuwarten“, sagte er dem ECHO. Weitere Ausführungen wollte er dazu nicht machen, er sagte lediglich: „Ich denke, der Innenminister wird dort das Notwendige richtig tun.“ Gemeint ist wohl, dass Rhein den rechtlichen Dreh finden soll, um Thurau als LKA-Chefin dauerhaft abzusetzen.
Optimistisch gibt sich Thuraus Anwalt: Wenn die rechtsstaatlichen Maßstäbe eingehalten und die Sachverhalte sorgfältig geprüft werden, „dann wird Frau Thurau nicht entlassen“, sagte Michael Hofferbert.
www.echo-online.de
Neue Details in der Polizei-
Affäre: Wann endlich
bekennt sich Volker
Bouffier (CDU) zu seiner
politischen Verantwortung?
Freitag, den 17. Juni 2011
„Schwarzer Filz in Kombination mit Mobbing und zweifelhaften psychologischen Gutachten zur Ausschaltung von unliebsamen Polizeibeamten und Steuerfahndern - das ist ein wesentliches Kennzeichen des Systems Koch-Bouffier in Hessen. Wann endlich übernimmt der frühere Innenminister und jetzige Ministerpräsident Volker Bouffier seine politische Verantwortung für die zahlreichen Verfehlungen der von ihm ins Amt beförderten Spitzenbeamten bei der Polizei?"
Nach den vorliegenden Informationen habe Bernhardt offenbar nicht nur die Verfolgung Unschuldiger betrieben und zu Falschaussagen und gezieltem Mobbing aufgefordert. Er habe zudem auch versucht, Einfluss auf Ergebnisse von polizeiärztlichen Gutachten zu nehmen.
Auch unter Bouffiers Nachfolger Boris Rhein (CDU) seien die Methoden der Polizeispitze bisher nicht kritisiert, sondern Opfer noch diffamiert worden. Beispielsweise habe Rhein einen der betroffenen Beamten im Dezember in einer Sitzung des Innenausschuss fälschlicherweise als gefährlichen Stalker bezeichnet, um so die kritischen Fragen der LINKEN am Polizeipräsidenten von Südosthessen und dem Zentraler Polizeipsychologischer Dienst (ZPD) besser abwehren zu können.
Schaus: „Mittlereile ist klar, warum der Innenminister im Dezember den ZPD überraschend für Alle aus der Schusslinie genommen hat. Die immer zahlreich zu Tage geförderten gravierenden Fehlleistungen von Führungsleuten der Hessischen Polizei sind erschütternd.
Der Fall der Ex-LKA-Chefin Thurau war nur die Spitze des Eisberges. DIE LINKE hat gut daran getan, die Polizei-Affären immer wieder zu thematisieren und wird das auch zukünftig zu tun."
Mehr zu diesem Thema:

Leitartikel zum Fall Thurau
Bouffiers Erbe
Foto: Alex Kraus
Alles, was Minister Rhein zum Besseren wendet, lenkt den Blick auf Fehler des Vorgängers. Auch im Fall Thurau. Rhein braucht eine glückliche Hand, wenn er die Nachfolgerin oder den Nachfolger von Sabine Thurau beruft.
Es gibt beneidenswertere Jobs als den des hessischen Innenministers, und das hat viel mit Ministerpräsident Volker Bouffier zu tun. Minister Boris Rhein jedenfalls hat seit seinem Amtsantritt vor neun Monaten vor allem damit zu tun, all das zu lösen, was sein Vorgänger Bouffier angerichtet hat.
Vor gut einem Jahr berief Bouffier eine neue Präsidentin an die Spitze des Landeskriminalamts: Sabine Thurau. Bei der Einführung pries er ihre „Führungskompetenz“. Damit allerdings war es, wie selbst ein Gericht festgestellt hat, nicht so weit her. Bouffier hätte es wissen können, denn die Machtkämpfe und Missstände im Frankfurter Präsidium unter der Vizepräsidentin Thurau waren schon damals intern bekannt.
Boris Rhein muss nun das fast Unmögliche schaffen: Die Besetzung, die sich nach dem Eindruck vieler Polizisten als Fehlbesetzung erwiesen hat, rückgängig
machen, ohne den Regierungschef zu beschädigen. Es verdient Respekt, dass der junge CDU-Politiker das versucht, trotz des Risikos für seinen Parteichef.
Schon einmal hat der neue Innenminister einen engen Bouffier-Vertrauten wegen dessen unerträglichen Führungsstils beiseite geschoben: den damaligen Landespolizeipräsidenten Norbert Nedela. Der
Polizei hat das gut getan, denn unter Nachfolger Udo Münch soll das Klima deutlich besser geworden sein.
Auch mit der Einführung eines Ansprechpartners für Polizisten in Mobbing-Fällen hat Rhein gezeigt, dass es ihm ernst ist mit einer „neuen Kultur“ in der hessischen Polizei. Doch alles, was er zum
Besseren wendet, lenkt unweigerlich den Blick auf die Versäumnisse des Vorgängers.
Für die Beamten und für die Bürger, deren Sicherheit sie schützen sollen, zählen solche politischen Befindlichkeiten jedoch wenig. Sie benötigen vor allem eine gut funktionierende Polizei. Deswegen
braucht Rhein eine glückliche Hand, wenn er die Nachfolgerin oder den Nachfolger von Sabine Thurau beruft.
Polizei-Skandale in Hessen,
ein Fass ohne Boden?
Werden jetzt zwei
LKA-Beamte für Frau T.
geopfert?
Warum wurden nicht alle
Akten gleich ausgewertet?
11.06.2011
LKA-Beamte unter Verdacht
Hessens Innenminister Boris Rhein. Foto: Rüffer
Von Thomas Ruhmöller
Sie mussten ihre Schreibtische bereits räumen, sitzen jetzt im Innenministerium. Zwei LKA-Beamte unter Verdacht des
Geheimnisverrats – die Frankfurter Staatsanwaltschaft bestätigte gegenüber dieser Zeitung entsprechende Ermittlungen. Die Vorwürfe wiegen umso schwerer, als die beiden in der Abteilung "Interne
Ermittlungen" gearbeitet hatten. Diese Beamten zuständig, wenn Polizisten im Verdacht stehen, kriminell zu sein. Interne Ermittler müssten deshalb eigentlich besonders integer und loyal sein.
Die zwei LKA-Beamten aber haben offenbar ein sehr eigenwilliges Verständnis von Recht und Ordnung. Sie sollen Sabine Thurau mit vertraulichen Informationen versorgt haben, als diese in ihrer Zeit als
Frankfurter Polizeivizepräsidentin teils widerrechtlich gegen ihr unterstellte Beamte vorging. Dass Thurau bei ihren Mobbingaktionen krasse Persönlichkeitsrechts-verletzungen beging, wurde ihr
inzwischen gerichtlich attestiert. Dass sie von Internen Ermittlern unterstützt wurde, galt als unvorstellbar.
Doch die Auswertung zahlreicher Akten und Gerichtsprotokolle ist eindeutig: Thurau ließ sich von den Spezialbeamten mit Dienstinterna versorgen – zu Verfahren, die sie selbst eingeleitet hatte gegen
missliebige Beamte. Eigentlich hätte die studierte Juristin wissen müssen, dass die Weitergabe vertraulicher Informationen in einem laufenden Verfahren nur mit Genehmigung des Staatsanwalts erlaubt
ist. Ungeachtet dessen traf sie sich – das belegen Aufzeichnungen – mit den beiden LKA-Beamten zum Beispiel in einem Mainzer Bierlokal. Auch bei dieser Gelegenheit sollen vertrauliche Unterlagen
ausgetauscht worden sein.
Das Verhalten der beiden LKA-Beamten wurde ruchbar, als die Leitung der Dienststelle ein behördliches "Tagebuch" auswertete. Darin waren alle Thurau-Treffen notiert. Die Beamten versuchten noch, die
Ermittlungen durch eine gezielte Desinformationskampagne zu torpedieren: Sie streuten Gerüchte, wonach die Dokumente seien gefälscht, und verteilten "unter der Hand" Kopien des Tagebuchs. Umsonst . .
.
Innenminister Boris Rhein bestätigte unterdessen den gestrigen Bericht dieser Zeitung, wonach Sabine Thurau auch bei Einstellung eines Verfahrens vorerst nicht zur Ruhe kommen wird: Die
Staatsanwaltschaft ermittelt weiter gegen sie wegen Verdachts der Falschaussage vor Gericht. Und dann müssen eines Tages in einem behördeninternen Disziplinarverfahren all ihre dienstrechtlichen
Vergehen aufgearbeitet werden.
Polizei-Skandal in Hessen??? Ministerium: Noch keine Entscheidung zu LKA-Chefin
Ministerium: Noch keine Entscheidung zu LKA-Chefin
Die Zukunft der früheren LKA-Chefin Sabine Thurau bleibt ungewiss. An der Situation habe sich auch mit der von mehreren Medien berichteten Einstellung des
staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahrens gegen die Spitzenpolizistin nichts geändert, erklärte am Freitag ein Sprecher von Innenminister Boris Rhein (CDU). Zum einen liege die
Einstellungsverfügung noch nicht vor, zum anderen seien noch weitere Ermittlungen gegen Thurau im Gange. Auch das behördeninterne Disziplinarverfahren sei noch nicht abgeschlossen.
Mehrere Zeitungen hatten übereinstimmend berichtet, dass die Staatsanwaltschaft Frankfurt das Verfahren gegen Thurau wegen der Verfolgung Unschuldiger einstellen wolle. Ein weiteres Verfahren wegen
uneidlicher Falschaussage in einem Zivilprozess vor dem Frankfurter Landgericht ist aber weiterhin offen.
Nach heftigen Mobbing-Vorwürfen aus den Reihen der Frankfurter Polizei lässt Thurau ihr Amt als LKA-Chefin ruhen und ist ins Innenministerium abgeordnet worden. Das LKA wird derzeit kommissarisch vom
südhessischen Polizeipräsidenten Gosbert Dölger geleitet.
Minister Rhein hat angekündigt, er warte erst den Abschluss der Ermittlungen ab, bevor disziplinarrechtliche Schritte gegen die ehemalige Behördenchefin eingeleitet werden. In Polizeikreisen gilt
aber eine Rückkehr Thuraus an die LKA-Spitze weiterhin als ausgeschlossen. Die „Frankfurter Neue Presse“ zitierte einen führenden Ministeriumsmitarbeiter in ähnlicher Form.
http://www.echo-online.de/nachrichten/landespolitik/Ministerium-Noch-keine-Entscheidung-zu-LKA-Chefin;art175,1915817?_FRAME=33&_FORMAT=PRINT
Doch kündigte er eine schnelle Entscheidung zu ihrer „beruflichen Zukunft“ an.
Polizei-Skandale in Hessen,
ein Fass ohne Boden?
Werden jetzt zwei
LKA-Beamte für Frau T.
geopfert?
Warum wurden nicht alle
Akten gleich ausgewertet?
11.06.2011
LKA-Beamte unter Verdacht
Hessens Innenminister Boris Rhein. Foto: Rüffer
Von Thomas Ruhmöller
Sie mussten ihre Schreibtische bereits räumen, sitzen jetzt im Innenministerium. Zwei LKA-Beamte unter Verdacht des
Geheimnisverrats – die Frankfurter Staatsanwaltschaft bestätigte gegenüber dieser Zeitung entsprechende Ermittlungen. Die Vorwürfe wiegen umso schwerer, als die beiden in der Abteilung "Interne
Ermittlungen" gearbeitet hatten. Diese Beamten zuständig, wenn Polizisten im Verdacht stehen, kriminell zu sein. Interne Ermittler müssten deshalb eigentlich besonders integer und loyal sein.
Die zwei LKA-Beamten aber haben offenbar ein sehr eigenwilliges Verständnis von Recht und Ordnung. Sie sollen Sabine Thurau mit vertraulichen Informationen versorgt haben, als diese in ihrer Zeit als
Frankfurter Polizeivizepräsidentin teils widerrechtlich gegen ihr unterstellte Beamte vorging. Dass Thurau bei ihren Mobbingaktionen krasse Persönlichkeitsrechts-verletzungen beging, wurde ihr
inzwischen gerichtlich attestiert. Dass sie von Internen Ermittlern unterstützt wurde, galt als unvorstellbar.
Doch die Auswertung zahlreicher Akten und Gerichtsprotokolle ist eindeutig: Thurau ließ sich von den Spezialbeamten mit Dienstinterna versorgen – zu Verfahren, die sie selbst eingeleitet hatte gegen
missliebige Beamte. Eigentlich hätte die studierte Juristin wissen müssen, dass die Weitergabe vertraulicher Informationen in einem laufenden Verfahren nur mit Genehmigung des Staatsanwalts erlaubt
ist. Ungeachtet dessen traf sie sich – das belegen Aufzeichnungen – mit den beiden LKA-Beamten zum Beispiel in einem Mainzer Bierlokal. Auch bei dieser Gelegenheit sollen vertrauliche Unterlagen
ausgetauscht worden sein.
Das Verhalten der beiden LKA-Beamten wurde ruchbar, als die Leitung der Dienststelle ein behördliches "Tagebuch" auswertete. Darin waren alle Thurau-Treffen notiert. Die Beamten versuchten noch, die
Ermittlungen durch eine gezielte Desinformationskampagne zu torpedieren: Sie streuten Gerüchte, wonach die Dokumente seien gefälscht, und verteilten "unter der Hand" Kopien des Tagebuchs. Umsonst . .
.
Innenminister Boris Rhein bestätigte unterdessen den gestrigen Bericht dieser Zeitung, wonach Sabine Thurau auch bei Einstellung eines Verfahrens vorerst nicht zur Ruhe kommen wird: Die
Staatsanwaltschaft ermittelt weiter gegen sie wegen Verdachts der Falschaussage vor Gericht. Und dann müssen eines Tages in einem behördeninternen Disziplinarverfahren all ihre dienstrechtlichen
Vergehen aufgearbeitet werden.
Kripo-Beamter wehrt sich
gegen Betrugs-
Verurteilung
Ein Frankfurter Kripo-Kommissar wehrt sich seit Mittwoch vor dem Landgericht gegen eine Verurteilung wegen Betruges mit einer Reisekostenabrechnung. Der 45
Jahre alte Mann war im September 2009 vom Amtsgericht zu 2500 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Das Gericht sprach den Polizisten schuldig, 2006 bei einer Dienstreise nach Brasilien Mietwagen- und
Benzinkosten von 458 Euro zur Abrechnung eingereicht zu haben, die nicht dienstlich entstanden waren.
Der Beamte sollte damals eine in Brasilien festgenommene mutmaßliche Wertpapierhehlerin in Empfang nehmen und nach Deutschland begleiten. Zu diesem Zweck flog er nach Rio de Janeiro und fuhr mit dem
Mietauto nach Sao Paulo, wo die Frau wartete. Staatsanwaltschaft und Amtsgericht hielten dem Beamten vor, er hätte von Deutschland direkt nach Sao Paulo fliegen können. Die Fahrzeugkosten wären dann
vermieden worden.
Im zweiten Prozess bezeichnete sich der Angeklagte als unschuldig. Rio de Janeiro sei aus Sicherheitsgründen als Flugziel gewählt worden. Außerdem sei ihm bei der Buchung des Fluges nicht bewusst
gewesen, ob die Frau sich in Rio oder Sao Paulo aufhalte.
Einen Vorschlag des Gerichts, das Verfahren wegen geringer Schuld einzustellen, lehnte die Staatsanwaltschaft ab. Möglicherweise müssen in dem Prozess auch der Frankfurter Polizeipräsident Achim
Thiel sowie dessen damalige Stellvertreterin Sabine Thurau als Zeugen gehört werden.
Klärendes Gespräch Rhein trifft gemobbten Polizisten
Redaktion: suma / end
Bild: © picture-alliance/dpa - Archiv Letzte Aktualisierung: 3.05.2011, 22:23 Uhr
15.04.2011
Neue Schlappe für LKA-Präsidentin
Erneut muss Sabine Thurau eine bittere Schlappe
hinnehmen: Die Präsidentin des Landeskriminalamtes (LKA) in Wiesbaden hatte Berufung gegen ein Urteil eingelegt, wonach das Land Hessen dem Frankfurter Kriminalbeamten Jochen Zahn 8000 Euro
Schmerzensgeld zahlen muss. Ein Schreiben des Landes aber stoppte jetzt Thuraus juristischen Schachzug.
Die ranghohe Polizeibeamtin, die ihr LKA-Amt ruhen lässt, weil gegen sie auch wegen des Verdachts der uneidlichen Falschaussage und wegen Verfolgung Unschuldiger ermittelt wird, hatte in ihrer Zeit
als Frankfurter Polizeivizepräsidentin den Beamten Zahn öffentlich diskreditiert und vorschnell kriminalisiert. Zu dieser Überzeugung war das Gericht im Schmerzensgeldprozess gekommen. Nach
intensiver Prüfung auch mit Hilfe von externen Juristen akzeptierte das Land inzwischen den teuren Richterspruch (wir berichteten).
Thurau aber sah in dem Urteil ihr Persönlichkeitsrecht verletzt. Nach der Zivilprozessordnung ist es dann möglich, Berufung einzulegen. Allerdings muss die Hauptpartei – in diesem Fall das Land
Hessen – mitspielen. Das Land aber widersprach jetzt formell in einem Schreiben an das Gericht. Folge: Das Gericht muss die Berufung als unzulässig verwerfen – wenn Sabine Thurau sie nicht selbst
zurückzieht. Auf den Kosten bleibt sie in jedem Fall sitzen.ruh
© 2011 Frankfurter Neue Presse

Polizeiaffäre
Thurau bleibt ohne Beistand
Foto: Alex Kraus
Schlechte Nachrichten für die Präsidentin des Landeskriminalamts (LKA), Sabine Thurau, die ihr Amt derzeit ruhen lässt: Das Land Hessen legt keine Berufung gegen das Urteil in einem Zivilverfahren ein, in dem Thurau schwer belastet worden war.
Thurau hatte dem Frankfurter Landgericht zufolge das Persönlichkeitsrecht eines führenden Polizisten verletzt, indem sie ihm vorwarf, in kriminelle Machenschaften verstrickt zu sein. Das Gericht sprach ihm deshalb im März ein Schmerzensgeld zu.
Innenminister Boris Rhein (CDU) hat sich entschieden, nicht in Berufung zu gehen, wie sein Sprecher Mark Kohlbecher sagte. Alle rechtlichen Prüfungen durch das Landespolizeipräsidium, das Polizeipräsidium Frankfurt und die Juristen des Ministeriums seien zu dem gleichen Ergebnis gekommen. Darüber hinaus sei ein externer Jurist mit der Prüfung beauftragt worden. Dieser habe dem Land ebenfalls davon abgeraten, Berufung einzulegen. Einem Bericht der FAZ zufolge denkt Thurau nun darüber nach, mit Hilfe einer sogenannten Nebenintervention ein Berufungsverfahren vor dem Oberlandesgericht zu erzwingen.
Über Thuraus berufliche Zukunft hat das Innenministerium noch nicht entschieden, da die Verfahren noch liefen, wie Kohlbecher sagte. Die Opposition forderte von Rhein hingegen zügige Entscheidungen. (pit)
Polizei-Skandal in Hessen???
Fall Thurau: Innenminister Rhein spielt auf Zeit – jetzt sind Entscheidungen gefragt
Die Ankündigung von Innenminister Boris Rhein (CDU), dass eine Entscheidung über die berufliche Zukunft der Präsidentin des Landeskriminalamtes Sabine Thurau sich noch einige Wochen hinziehen wird, hält der innenpolitische Sprecher der Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Jürgen Frömmrich „für ein durchsichtiges Manöver und das Spielen auf Zeit“.
„Minister Rhein entwickelt sich immer mehr zum ‚Herrn der Sprechblasen und hohlen Ankündigungen‘. Erst kündigte Rhein an, nach dem Schadensersatzprozess gegen das Land vor dem Frankfurter Landgericht über den Fall Thurau zu entscheiden, dann hat er aus unserer Sicht sogar verständlicherweise gebeten, die Urteilsbegründung abzuwarten, um dann über die disziplinarrechtliche Folgen zu entscheiden. Am 15. März 2011 berichtete dann die BILD darüber, dass sich Ministerpräsident Bouffier in die Personalsache zugunsten von Frau Thurau einmischt. Jetzt kündigt Rhein an, dass sich eine Entscheidung über diese Personalie noch einige Wochen hinziehen wird. Der Minister blamiert sich gerade bis auf die Knochen und muss sich die Frage gefallen lassen, ob er Herr im eigenen Haus ist oder ob der ehemalige Innenminister und jetzige Ministerpräsident die Fäden im Innenministerium immer noch aus der Staatskanzlei zieht“, so Jürgen Frömmrich weiter.
„Im Fall Thurau geht es immerhin um schwere Vorwürfe gegen ihre Person“. Im Zusammenhang mit dem Mobbing-Prozess vor dem Frankfurter Landgericht ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die suspendierte LKA-Präsidentin wegen uneidlicher Falschaussage und wegen Verfolgung Unschuldiger. Das Gericht hatte seine Entscheidung Schadensersatz zugunsten des Polizisten Z. damit begründet, dass Thurau als damalige Vizepräsidentin im Polizeipräsidium Frankfurt die Persönlichkeitsrechte des betroffenen Beamten schwerwiegend verletzt und ihn vorverurteilt habe. „Boris Rhein hat bei seinem Amtsantritt die Backen ziemlich aufgeblasen. Jetzt muss er unter Beweis stellen, wie er seine Ankündigung von neuer Führungskultur und neuem Stil umsetzen will. Wenn gegen einen normalen Polizeibeamten solche Vorwürfe – Falschaussage und Verfolgung Unschuldiger – im Raum stünden, dann wären mit Sicherheit schon disziplinarrechtliche Maßnahmen eingeleitet worden. Aber da es in diesem Fall um eine Person geht, die enge Kontakte zu Ministerpräsident Bouffier hat, wird mit einem anderen Maß gemessen. Der Versuch auf Zeit zu spielen, bis Gras über die Sache gewachsen ist, wird nicht gelingen. Wir wollen in der nächsten Innenausschusssitzung vom Minister Rhein wissen, wie er gedenkt in der Angelegenheit Thurau weiter zu verfahren“, so Jürgen Frömmrich.
Polizei-Skandal in Hessen?
Sieht so eine schnelle Entscheidung aus?
Widerspricht sich der Innenminister?
24. März 2011 | dpa
Zukunft von LKA-Chefin Thurau ist offen
WIESBADEN.
Die Zukunft von Hessens
Landeskriminalamts-Chefin Sabine Thurau, die ihr Amt seit einigen Monaten ruhen lässt, bleibt unklar. Das zivilrechtliche Urteil zu einer Mobbingaffäre bei der Frankfurter Polizei werde noch
geprüft, sagte Innenminister Boris Rhein (CDU) am Donnerstag in Wiesbaden.
Der frühere Leiter des Fahndungsdienstes der Frankfurter Polizei hatte Anfang März Schmerzensgeld und Schadensersatz vom Land erstritten. In die Affäre verwickelt ist auch Thurau, die
damals Vizepräsidentin der Frankfurter Polizei war und den unschuldigen Mann öffentlich vorverurteilt haben soll. Gegen die ranghohe Beamtin ermittelt die Staatsanwaltschaft unter anderem, weil sie in einem
früheren Verfahren vor Gericht gelogen haben soll.
Möglicherweise werde der Abschluss dieser Ermittlungen abgewartet, erklärte Rhein. Ursprünglich hatte er angekündigt, auf der Grundlage des
Zivilurteils seine Entscheidung zu Thurau zu fällen. Entschieden sei auch
noch nicht, ob das Land in Berufung gegen das Schmerzensgeld-Urteil gehe. Dafür bleibe bis zum 11. April Zeit.
Rhein nach Urteil: Schnelle Entscheidung
Zukunft der LKA-Chefin bald geklärt
08.03.11| Wiesbaden. Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) will angesichts des Urteils im Mobbing-Prozess vom Montag möglichst schnell über die berufliche Zukunft der früheren LKA-Präsidentin Sabine Thurau entscheiden.
Gericht wirft LKA-Chefin schwere Fehler vor
14.03.11|
Frankfurt/Wiesbaden - Das Landgericht Frankfurt hat seine schwerwiegenden Vorwürfe gegen die Chefin des Hessischen Landeskriminalamtes (LKA), Sabine Thurau, aufrechterhalten.
Prognose: Da vor der Kommunalwahl keine Entscheidung getroffen wird und sich das ganze Verfahren in die Länge zieht, dürfte doch jedem klar sein, das die Person im Amt bleibt?

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- Artikel publiziert am: 18.03.11
Datum: 19.03.2011 - 06.19 Uhr
Quelle: http://www.op-online.de/nachrichten/frankfurt-rhein-main/entscheidende-schnitt-war-1166341.html
Weiterhin Unruhe bei Hessens Polizei -
Erwartungen an neuen Behördenchef Udo
Münch / Wachsende Ungeduld im Fall Thurau
„Ob es der entscheidende Schnitt war?“
Von Peter Schulte-Holtey
Offenbach J Skandale, immer wieder schwere Vorwürfe gegen das Führungspersonal: Wie ist die Stimmung in der hessischen Polizei? Wer mit Vertretern der Polizeigewerkschaft redet, bekommt den Eindruck, dass sich die Rauchschwaden sehr, sehr zögerlich verziehen. Vor allem erinnert man sich nur ungern an die Amtszeit des früheren Landespolizeipräsidenten Norbert Nedela. Für Unruhe sorgen weiterhin die schweren Vorwürfe gegen die Chefin des Landeskriminalamtes (LKA), Sabine Thurau. Im spektakulären Mobbingprozess, der sich mit Verfehlungen in der Zeit von Thurau als Frankfurter Vizepolizeipräsidentin beschäftigte, gibt es weiterhin Aufklärungsbedarf.
Jörg Bruchmüller, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Hessen, meinte jetzt im Interview mit unserer Zeitung: „Die Stimmung in der Polizei war, was die Führungskultur anging - also mit Blick auf den damaligen Polizeipräsidenten Norbert Nedela, nicht gut. Die Ablösung von Nedela war überfällig. Eine stark dirigistische Befehlsstruktur von ,oben nach unten’ passt nicht zu einer selbstbewussten und demokratischen Polizei. Ob es der entscheidende Schnitt war, das werden wir erst sehen, wenn sich die Führungsspitze um Udo Münch, um einen neuen Inspekteur, bewährt. Es muss sich zeigen, ob der Geist der alten Führungskultur aus den Räumen in der Polizeispitze endgültig heraus ist.“
Thurau lässt wegen der Vorwürfe ihr Amt als LKA-Präsidentin seit November 2010 ruhen. Jetzt wird ausgerechnet ihr Fall zur „politischen Hängepartie“. Zwar hatte Innenminister Boris Rhein (CDU) angekündigt, auf der Grundlage des Urteils über die berufliche Zukunft der LKA-Präsidentin entscheiden zu wollen. Bislang ist aber nichts geschehen.
Für Zunder sorgte jetzt auch ein Bericht der „Frankfurter Neuen Presse“. Demnach soll ein „Küchen-Kabinett“ im Innenministerium in den vergangen Wochen massiv versucht haben, ein positives Bild von Thurau in der Öffentlichkeit zu schaffen. Ermittlungsunterlagen seien hierfür an die Medien gestreut worden. LKA-Beamte versuchten angeblich, Thurau als Opfer einer Intrige erscheinen zu lassen. Grünen-Sprecher Jürgen Frömmrich zeigte sich entsetzt. Da werde das Land wegen Mobbings zu einem Schmerzensgeld verurteilt, eine hohe Führungskraft im Urteil ausdrücklich als Hauptverantwortliche erwähnt und dann gebe es Berichte, der Ministerpräsident versuche Druck auf den Innenminister auszuüben, „damit genau diese - von ihren Aufgaben entbundene - ‚Führungskraft‘ wieder auf ihren Posten kommt. Wenn diese Berichte zutreffen, ist das skandalös“.
Grüne und Sozialdemokraten fordern von Rhein eine klare Aussage darüber, was aus der LKA-Präsidentin werden soll. Auch Bruchmüller macht Druck. „Die Kollegen erwarten, dass eine Behörde mit hoher fachlicher und sozialer Kompetenz geführt wird. Die Ungeduld wächst, man sollte baldmöglichst Entscheidungen treffen. Kontinuität ist auch für Personalräte wichtig.“
14.03.2011 14:02 Uhr Rhein-Main/Hessen
Polizeichef-Affäre - Gutachten sieht schwere Fehler
Wiesbaden. Ein Rechtsgutachten im Auftrag der Linken-Fraktion im Landtag listet 17 Rechtsverstöße beim Auswahlverfahren für den Chefposten der hessischen Bereitschaftspolizei auf. Mit der sogenannten Polizeichef-Affäre befasst sich etwa seit einem Jahr auch ein Untersuchungsausschuss des Landtags. Der Linken-Abgeordnete Hermann Schaus sagte am Montag in Wiesbaden, das Gutachten des Fachanwalts Gerhard Strauch zeige ein erschreckendes Ausmaß an Fehlern. Der damalige Innenminister und jetzige Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) soll gegen Beamtenrecht verstoßen haben, als er den Präsidentenposten der Bereitschaftspolizei mit seinem Wunschkandidaten besetzte. Bouffier bestreitet dies. (dpa)
Artikel vom 14. März 2011, 15.05 Uhr (letzte Änderung 14. März 2011, 17.30 Uhr)
Weniger Geld für Sabine Thurau?
Polizei-Skandal in Hessen?
Von Thomas Ruhmöller
Die entscheidenden Sätze finden sich auf den Seiten 11 und 12: «Die Äußerungen der Polizeivizepräsidentin lassen die erforderliche Rücksichtnahme auf die berechtigten Interessen des
Klägers vermissen und verletzen seinen Anspruch auf soziale Anerkennung gegenüber seinen Kollegen und Mitarbeitern», heißt es in dem Urteil, das letzte Woche dem Frankfurter Kripobeamten Jochen Zahn
8000 Euro Schmerzensgeld zusprach. «Der Kläger wurde durch die Erklärungen der Polizeipräsidentin stigmatisiert und sein Ansehen erheblich beschädigt.»
Die drei Richter Hefter, Weychardt und Dr. Barthelmann, die das 15-seitige Urteil (Aktenzeichen 2-04 O 584/09) unterzeichnet haben, schreiben weiter: «Die Amtspflichtverletzung geschah auch
schuldhaft. Die Polizeivizepräsidentin hätte bei Anwendung der erforderlichen Sorgfalt erkennen können, dass ihre Äußerungen den Kläger in unangemessener Weise vorverurteilen und sie insoweit gegen
ihre Amtspflichten verstößt.»
Deutlicher geht‘s nicht. Sabine Thurau, bis letztes Jahr Frankfurter Polizeivizepräsidentin und seitdem Präsidentin des Landeskriminalamtes, hat dem Beamten Jochen Zahn eine «schwerwiegende
Persönlichkeitsrechtsverletzung» (Seite 7) zugefügt. Das Urteil liegt vor – dieser Zeitung, auch dem Innenminister. Der hatte versprochen, er werde über Thuraus Zukunft entscheiden, sobald er das
Urteil habe.
Rhein könnte seinen Worten nun Taten folgen lassen. Nur: Was soll er tun?
Juristen im Innenministerium haben den Fall diskutiert, die Sachlage ist kompliziert: Rhein wird Frau Thurau derzeit kaum suspendieren können. Eine vorläufige Dienstenthebung ist nur möglich, wenn
ein Disziplinarverfahren angesichts des Vorwurfs zur Entfernung aus dem Dienst führen kann. Damit muss Sabine Thurau in diesem Fall nicht rechnen.
Anders könnte die Sache aussehen, wenn die weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abgeschlossen sind. Thurau wird Falschaussage vor Gericht und Verfolgung Unschuldiger vorgeworfen. Bis die
Ermittlungen abgeschlossen sind, können aber noch Monate vergehen. Minister Rhein bleibt also derzeit wohl nur die «kleine Lösung»: Er könnte Sabine Thurau als LKA-Präsidentin absetzen. Und sie im
Innenministerium «verstecken», sie mit Aufgaben betrauen, die ihrer Qualifikation entsprechen.
Das Problem dabei: Sabine Thurau würde in der Behörde bleiben, wo sie in den letzten Jahren ein Netz von Freundschaften und Abhängigkeiten geknüpft hat. Im Zentrum ihres Netzwerks steht ein dubioses
«Küchen-Kabinett». Dieser Kungel-Runde, benannt nach gemeinsamen Koch-Abenden, sollen neben Thurau zwei ihrer engsten LKA-Mitarbeiter angehören, Wolfgang W. und Oliver K., außerdem der Sprecher des
Innenministers, Robert Schmitt.
Es heißt, Mitglieder dieses «Kabinetts» hätten in letzter Zeit massiv versucht, in der Öffentlichkeit eine Stimmung «pro Thurau» zu entfachen. So bemühte sich Minister-Sprecher Schmitt auffallend
hartnäckig, Informationen zum «Fall Thurau» zu unterdrücken – ein krasser Verstoß gegen die Regeln der behördlichen Öffentlichkeitsarbeit.
Zugleich streuten LKA-Beamte angebliche Ermittlungsunterlagen an Medien: Danach sei Sabine Thurau nicht als Täterin, sondern als Opfer einer Intrige anzusehen – deren Drahtzieher wiederum Kripomann
Jochen Zahn sei. Eine Frankfurter Zeitung fiel prompt darauf herein und berichtete mehrfach, es gebe Zweifel an den Aussagen von Jochen Zahn, zudem habe der Mann Zeugen unter Druck gesetzt, auf alle
Fälle müsse der «Fall Thurau» neu bewertet werden...
Diesem medialen Spuk hat das klare Urteil ein Ende gesetzt. Für Sabine Thurau heißt es zudem: Edeka. Ende der Karriere. Die einstige Karriere-Polizistin wird wohl noch eine weitere Pille schlucken
müssen: Als sie zur hessischen LKA-Präsidentin aufstieg, kletterte auch ihr Gehalt – von B3 auf B5. Minister Rhein könnte sie jetzt finanziell wieder zurückstufen: Thuraus Grundgehalt würde von rund
7600 Euro auf 6800 Euro reduziert.
Landgericht Frankfurt am
Main, Urteil vom
07.03.2011
- 2-04 O 584/09 -
Verletzung der Fürsorgepflicht: Vorverurteilung eines Polizeibeamten stellt schwerwiegende Persönlichkeitsrechtsverletzung dar und rechtfertigt Schmerzensgeldanspruch
Äußerungen der Polizeipräsidentin verstoßen gegen Unschuldsvermutung
Die Vorverurteilung eines Polizeibeamten im Rahmen eines gegen ihn geführten Disziplinar- und Ermittlungsverfahrens ist unzulässig und stellt eine Verletzung der beamtenrechtlichen Fürsorgepflicht dar. Der Polizeibeamte hat daher Anspruch auf Schmerzensgeld. Dies entschied das Landgericht Frankfurt.
Im zugrunde liegenden Fall war gegen den klagenden Polizeibeamten ein Disziplinar- und ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts diverser Straftaten eingeleitet worden. In einer Besprechung mit den Mitarbeitern des Kommissariats, deren Leiter der Kläger war, hatte die damalige Vizepräsidentin des Polizeipräsidiums Frankfurt erklärt, dass der Kläger in kriminelle Machenschaften verstrickt sei und nicht mehr auf die Dienststelle zurückkehren werde. Hierfür werde sie (die Vizepräsidentin des Polizeipräsidiums) persönlich sorgen. Die Beamten sollten sich von ihm fernhalten und keinen Kontakt mit ihm aufnehmen.
Das Disziplinar- und das Strafverfahren wurden im Jahr 2010 eingestellt.
Äußerungen der Polizeivizepräsidentin lassen erforderliche Rücksichtnahme auf berechtigte Interessen des Klägers vermissen
Das Landgericht Frankfurt gab dem Kläger Recht und gab in seinen Entscheidungsgründen an, dass die dargestellten Äußerungen der Polizeivizepräsidentin die erforderliche Rücksichtnahme auf die berechtigten Interessen des Klägers vermissen lassen und seinen Anspruch auf soziale Anerkennung gegenüber seinen Kollegen und Mitarbeitern verletzten. Der Kläger wurde durch die Erklärungen der Polizeivizepräsidentin stigmatisiert und sein Ansehen erheblich beschädigt, so das Gericht. Die Äußerungen enthielten eine Vorverurteilung des Klägers und verstießen insoweit gegen die Unschuldsvermutung.
Schwerwiegende Persönlichkeitsrechtsverletzung
Das Gericht hat den Grad der Persönlichkeitsrechtsverletzung als so schwerwiegend angesehen, dass die Zubilligung eines Schmerzengeldes gerechtfertigt ist. Es hat hierbei insbesondere berücksichtigt, dass für die Polizeivizepräsidentin kein Anlass für derart weitgehende Aussagen bestand. Weiterhin ist die Persönlichkeitsrechtsverletzung auch deshalb als besonders schwerwiegend zu qualifizieren, weil die Vorwürfe während der gesamten Dauer des Verfahrens unverändert im Raum standen und die Äußerungen erheblich diffamierenden Charakter hatten.
Schmerzensgeld in Höhe von 8.000 Euro gerechtfertigt
Die Höhe des Schmerzengeld hat das Gericht auf 8.000 Euro geschätzt. Eine höhere Schmerzensgeldzahlung (der Kläger hatte 30.000 Euro gefordert) hat das Gericht abgelehnt, da die weiteren behaupteten Eingriffe in das Persönlichkeitsrecht des Klägers nicht vorlagen. Insbesondere in Interviewäußerungen des Polizeipräsidenten hat die Kammer lediglich eine sachliche Information der Öffentlichkeit gesehen, die eine Vorverurteilung des Klägers nicht enthielt. Urteil vom 07.03.2011, Az. 2-04 O 584/09 Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Parteien können binnen eines Monats nach Zustellung der Entscheidungsgründe Berufung einlegen.
Polizei-Mobbing-Affäre - Land muss Schmerzensgeld zahlen
Einzigartiges Urteil Hessen muss in der Frankfurter Polizeiaffäre 8000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Die Kritik des Landgerichts an der früheren LKA-Chefin Thurau fällt deutlich aus, Polizeipräsident Thiel kommt besser weg. Das Urteil ist nach Einschätzung der Gewerkschaften einzigartig.
In der Mobbingaffäre bei der Frankfurter Polizei muss das Land einem zu Unrecht suspendierten Beamten rund 8000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Die damalige Polizei-Vizepräsidentin Sabine Thurau habe den früheren Fahndungs-Chef 2006 in einer Dienstbesprechung vorverurteilt und so die beamtenrechtliche Fürsorgepflicht verletzt, heißt es in der Urteilsbegründung des Frankfurter Landgerichts vom Montag (Az. 2-04 O 584/09).
Polizeipräsident Achim Thiel will erst die schriftliche Begründung des Urteils abwarten, bevor er über eine Berufung
entscheidet, hieß es bei der Polizei. Der Kläger werte das noch nicht rechtskräftige Urteil im Grundsatz positiv und werde es voraussichtlich akzeptieren, sagte sein Anwalt Harald Nolte der dpa. Sein
Mandant erwarte noch ein abschließendes Gespräch mit Innenminister Boris Rhein (CDU). Zwar müssen dem Kläger, der inzwischen bei der Polizei in Offenbach arbeitet, dem Urteil zufolge auch gut 600
Euro für vorgerichtliche Kosten in dem Zivilstreit erstattet werden, er trägt aber drei Viertel der Gerichts- und Anwaltskosten beider Parteien – insgesamt etwa 3700 Euro.
Thurau hat nach Überzeugung der 4. Zivilkammer in der Dienstbesprechung im März 2006 gesagt, der Kläger sei in kriminelle Machenschaften verstrickt und werde nicht mehr auf die Dienststelle
zurückkehren. Dafür werde sie persönlich sorgen, die Beamten sollten sich von ihm fernhalten und keinen Kontakt mit ihm aufnehmen. Diese Äußerungen ließen »die erforderliche Rücksichtnahme auf die
berechtigten Interessen des Klägers vermissen und verletzten seinen Anspruch auf soziale Anerkennung gegenüber seinen Kollegen und Mitarbeitern«, heißt es in der Begründung der Kammer.
Der damalige Fahndungs-Chef sei »stigmatisiert und sein Ansehen erheblich beschädigt« worden. Es habe keinen Anlass für solche Äußerungen gegeben. Thurau habe vielmehr die Beamten sachlich
darüber informieren können, dass ein Disziplinar- und ein Strafverfahren eröffnet worden seien. Die Persönlichkeitsrechtsverletzung des Klägers sei auch deshalb besonders schwerwiegend, weil die
Vorwürfe während der gesamten Dauer des Verfahrens unverändert im Raum standen und die Äußerungen erheblich diffamierenden Charakter hatten, argumentiert das Gericht. Disziplinar- und Strafverfahren
gegen den Polizisten wurden 2010 eingestellt, der Beamte war rund drei Jahre vom Dienst suspendiert.
Die anderen Eingriffe in das Persönlichkeitsrecht, für die der Kläger Schmerzensgeld wollte, sah das Gericht nicht. Umstrittene Interviewäußerungen von Polizeipräsident Thiel in der
»Bild-Zeitung« wertete die Kammer als sachliche Information der Öffentlichkeit.
Sein Mandant habe mit dem Urteil und der Zuerkennung von Schmerzensgeld sein Ziel erreicht, wieder vollständig rehabilitiert zu sein, sagte Anwalt Nolte. Auch die angestrebte Signalwirkung
seines Falls für die Zukunft sei erreicht.
Die Deutsche Polizeigewerkschaft begrüßte das Urteil. Die Höhe des Schmerzensgeldes sei aber »nicht angemessen«, sagte der hessische Vorsitzende Heini Schmitt in Darmstadt. »Man muss
bedenken, was der Kollege ausgehalten hat«, betonte Schmitt. »Der Hauptfehler war die viel zu lange Dauer, bis der Polizist aus der Suspendierung wieder zurückgeholt wurde.« Diese Kritik richte sich
zunächst an das Polizeipräsidium Frankfurt. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) äußerte sich nicht zu dem Urteil.
Die Oppositionsparteien SPD, Grüne und Linke verlangten in Wiesbaden weitere Aufklärung. Die Staatsanwaltschaft müsse ihre Ermittlungen gegen Thurau, die im vergangenen Jahr zwischenzeitlich
zur Chefin des Landeskriminalamts (LKA) aufgestiegen war, zügig zu einem Ergebnis bringen. Gegen Thurau wird wegen des Verdachts der Falschaussage vor Gericht in einem früheren Prozess und wegen der
Verfolgung Unschuldiger ermittelt. Zudem müssten die Vorwürfe in Bezug auf Manipulationen in Personalakten geklärt werden, verlangte die SPD in Wiesbaden. Grüne und Linke halten die ehemalige
Vertraute des früheren Landespolizeipräsidenten Norbert Nedela für nicht mehr tragbar im Polizeidienst.
Ira Schaible und Christian Ebner, dpa
04.03.2011
Mobbing bei der Polizei: Muss Hessen zahlen?
Die Entscheidung
Wird die Mobbingaffäre in der Frankfurter Polizei das Land Hessen Schmerzensgeld kosten? (Symbolbild)
Geklagt hat der frühere Leiter des Fahndungsdienstes der Frankfurter Polizei. Er war drei Jahre vom Dienst
suspendiert - zu Unrecht, wie sich herausstellte. Der Beamte will bis zu 30 000 Euro Schmerzensgeld und Schadensersatz.
In die Mobbingaffäre verwickelt ist auch Sabine Thurau, die im vergangenen Jahr zwischenzeitlich zur Chefin des Landeskriminalamts (LKA) aufgestiegen war. Sie war damals Polizei-Vizepräsidentin
in Frankfurt und mit dem Fall befasst. Sie soll dem Fahndungsleiter 2006 «schwere kriminelle Machenschaften» vorgeworfen und ihm erklärt haben, er werde nie mehr zur Polizei
zurückkehren. Dabei ging es um später nicht mehr haltbare Vorwürfe, etwa die private Nutzung von Dienstwagen.
Gegen Thurau hat die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Falschaussage vor Gericht in einem früheren Prozess und wegen der Verfolgung Unschuldiger Ermittlungen eingeleitet. Sie verließ
deshalb ihren Posten als LKA-Chefin, bis die Vorwurfe geklärt sind - eine Rückkehr ist ungewiss.
In dem neunmonatigen Zivilverfahren hatte auch Thurau unter großem Medieninteresse als Zeugin ausgesagt. Dem Frankfurter Polizeipräsidenten Achim Thiel blieb dies erspart. Nachdem er
bereits eine Stunde vor dem Sitzungssaal gewartet hatte, gab der Vorsitzende Richter Christoph Hefter bekannt, Thiel doch nicht mehr befragen zu wollen.
Am ersten Verhandlungstag im Juni 2010 hatte Richter Hefter sein Befremden über gewisse Praktiken im Umgang zwischen Kollegen im Präsidium geäußert. Vor Gericht war damals bekanntgeworden, dass unter
anderem der Schreibtisch des Hauptkommissars während dessen Urlaub von den Kollegen durchsucht worden war.
Die Polizei selbst hat den 53-jährigen Beamten nach Abschluss eines Disziplinarverfahrens bereits rehabilitiert. Und auch in dem Zivilprozess stehen die Chancen des Polizisten offenbar nicht
schlecht. Hefter hatte gesagt, eine solche Entscheidung liege «nicht ferne», und dem Land Hessen einen Vergleich nahegelegt. Dieser ist aber bislang nicht zustande gekommen.
© 2011 Frankfurter Neue Presse
28.10.2010
Polizeiakte Sabine Thurau
Von Thomas Ruhmöller
Keine zwei Monate nach dem Auszug von Volker Bouffier aus dem Innenministerium brechen die festgefügten Strukturen bei Hessens Polizei auseinander. Erstes Opfer:
Sabine Thurau, die Präsidentin des Landeskriminalamtes. Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits gegen sie. Dokumente sind aufgetaucht, die belegen sollen, dass sie vor Gericht gelogen hat. Und das,
heißt es, sei erst der Anfang . . .
«Gerade in der Polizei ist man dem
Bürger gegenüber besonders
verpflichtet, dass die
Polizeibeamten sich auch intern
rechtstreu verhalten.»
O-Ton Sabine Thurau im März 2010, da war sie gerade zur
Präsidentin des Landeskriminalamts (LKA) in Wiesbaden aufgestiegen. Hessens ranghöchste Kriminalbeamtin, Mitte fünfzig, verheiratet, Mutter von drei Kinden, Juristin, Polizistin von der Pike auf –
die Frau, die so schön reden kann über Recht und Gesetz: Ist sie eine Gesetzesbrecherin? Eine Lügnerin?
Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat jetzt ein Ermittlungsverfahren gegen die Frau eingeleitet. Der Vorwurf: Verdacht auf uneidliche Falschaussage vor Gericht. Im Klartext: Sabine Thurau soll einen
Richter angelogen haben.
Wenn sich dieser Vorwurf bewahrheitet, drohen ihr bis zu fünf Jahre Haft. Schon fordert die Opposition in Wiesbaden, dass sie umgehend vom Dienst zu suspendieren sei. Innenminister Boris Rhein
wiegelt ab – noch. «Solange nichts bewiesen ist, gilt für Frau Thurau die Unschuldsvermutung», sagte er gestern. Und er sagte auch, sie leiste «untadelige Arbeit».
Aufruf zum Denunziantentum
Wenn er sich da nur nicht irrt! Die «Polizeiakte Sabine Thurau» enthält inzwischen jede Menge brisante Dokumente, die größte Explosionsgefahr bedeuten.
Unterlagen, die dieser Zeitung vorliegen, lassen nur den Schluss zu: Sabine Thurau ist über ein System bei der Polizei gestolpert, das sie – Ironie der Geschichte – in den letzten Jahren selbst
aufgebaut hat. Sie verlasse sich auf Denunzianten und Intriganten, sie baue auf Gerüchte und Flurfunk – das hatten leitende Polizeibeamte wiederholt, auch öffentlich, beklagt. Nichts geschah. Das
Innenministerium griff nicht ein.
Das war der Nährboden für einen Polizei-Skandal, der einige Jahre zurückliegt, aber bis in die heutige Zeit hinein reicht – und der den wahren Hintergrund bildet für das Ermittlungsverfahren gegen
die LKA-Chefin:
Jochen Zahn, heute 54 Jahre alt, leitete damals in Frankfurt die Personenfahndung. Ein erfahrener, angesehener Top-Kriminalist. Heute klagt er gegen die Frankfurter Polizei auf Schmerzensgeld,
weil er fast drei Jahre lang vom Dienst suspendiert war – völlig zu Unrecht, wie die Ermittlungen inzwischen ergeben haben.
Sabine Thurau kam 2005 als Vizepräsidentin nach Frankfurt. Forsch verkündete sie, aufräumen zu wollen: Sie wolle Missstände beseitigen und «den Sumpf austrocknen». Wer von Dienstvergehen wisse, sagte
sie, solle sich jederzeit an sie wenden, gerne auch vertraulich. Viele verstanden das als Aufruf zum Denunziantentum.
Eine Art Kronzeugenregelung
Am 10. März 2006 kamen drei Personenfahnder in ihr Büro. Sie legten angebliches «Beweismaterial» gegen ihren Chef Jochen Zahn vor, das sie heimlich aus seinem
Schreibtisch entwendet und fotokopiert hatten. Zahn soll ohne Erlaubnis Dienstwagen benutzt, sich mit dem Dienstausweis Eintritt zur Eintracht verschafft haben . . .
Sabine Thurau brauchte keine zwei Wochen, um den Mann aus dem Weg zu räumen. Zahn bekam Hausverbot, Waffe und Dienstmarke wurden ihm abgenommen, und Frau
Thurau verkündete öffentlich, sie wolle den Mann nie wieder sehen.
Nur wenige Wochen später steckten ihr die Spitzel-Beamten neue Unterlagen zu: Danach sollen sich zwei Kollegen von Zahn auf einer Reise nach Brasilien, wo sie eine Betrügerin abholen mussten, auf
Staatskosten vergnügt haben, auch seien sie mit dem Mietwagen herumgefahren . . .
Wieder war Sabine Thurau flott bei der
Sache: Im Mai 2006 leitete sie ein Verfahren wegen Untreue gegen die Beamten ein. Auf den sofortigen Rausschmiss verzichtete sie diesmal – offenbar mit Kalkül:
In Vier-Augen-Gesprächen soll sie den Beamten eine Art «Kronzeugenregelung» angeboten haben – Bedingung: Sie müssten gegen ihren Chef Zahn aussagen. Die Männer lehnten ab.
Die Folge: Sie wurden versetzt, und natürlich liefen die Verfahren gegen sie weiter.
Zu dieser Zeit brodelte es heftig bei der Polizei – Auslöser: Thuraus rigoroses Vorgehen gegen altgediente Beamte. Ein Rechtsanwalt schrieb am 16. Juli 2007 an Innenminister Volker Bouffier: «In der
hessischen Polizei herrscht ein Klima der Einschüchterung und Angst einhergehend mit sozialer Kälte.» Als Auslöser nennt er mehrfach den Namen von Frau Thurau. Der Innenminister wies die Vorwürfe
umgehend zurück.
Zwei Jahre später, wir haben den 15. September 2009: Im Frankfurter Gericht wird gegen einen der Brasilien-Fahnder verhandelt. Sabine Thurau ist als Zeugin geladen. Laut Protokoll sagt sie: «Wegen
einer Kronzeugenregelung habe ich nichts gemacht.»
Ihr Problem jetzt: Nicht nur die beiden Beamten behaupten das Gegenteil. Als Zeuge wird auch Generalstaatsanwalt a. D. Dr. Christoph Schaefer genannt, der mit Frau Thurau über das Verfahren gegen die
Fahnder gesprochen haben will. Seine Aussage, das ist sicher, hat Gewicht!
In dem Prozess soll Sabine Thurau auch gesagt haben, sie wisse von Vorwürfen gegen Jochen Zahn erst seit dem 10. März 2006 – seit jenem Tag also, an dem die Spitzel in ihr Büro kamen.
Aber: Aus etlichen Dokumenten, die der Polizeiführung heute vorliegen, geht hervor, dass Frau Thurau schon vorher von den Vorwürfen gewusst haben muss.
Das Ende des Spitzelwesens?
Und schließlich soll Frau Thurau vor Gericht gesagt haben, sie habe als Vizepräsidentin «keinerlei Kontakte» mit dem Landeskriminalamt gehabt, wo die Vorwürfe
gegen Jochen Zahn objektiv untersucht und bewertet werden sollten. Inzwischen aber sind Akten aufgetaucht, die belegen: Sabine Thurau hat wiederholt mit den ermittelnden LKA-Beamten über den Fall
Zahn gesprochen. Der Verdacht: Hat sie versucht, auf das Verfahren Einfluss zu nehmen? Immerhin: Man traf sich mehrmals, tauschte sogar nach Dienst im Brauhaus Kastel beim Bier Infos und Unterlagen
aus.
All das ist dokumentiert, lückenlos. Hat Sabine Thurau wirklich geglaubt, die Wahrheit könne verborgen bleiben?
Leitende Polizeiführer sagen heute, die Frau muss sich auf der sicheren Seite gewähnt haben, vor allem, nachdem der bisherige Innenminister Volker Bouffier kurz vor seinem Wechsel in die
Staatskanzlei die Karriere der Frau mit dem Präsidentenamt beim LKA krönte.
Jetzt ist Bouffier weg – und nichts ist mehr so wie es war. Sein Nachfolger Boris Rhein will – das hat er zumindest versprochen –, dass eine neue Führungskultur bei der Polizei ihren Einzug hält. Das
thurausche Spitzel-Unwesen – es dürfte kaum in sein Konzept passen, es gehört wohl auch nicht mehr in diese Zeit.
Die Frau hätte gewarnt sein müssen – sagen Beamte, die ihren Werdegang aus der Nähe verfolgen. Ihr langjähriger Protegé, Hessens Polizeipräsident Norbert Nedela, zeigt ihr seit Wochen die kalte
Schulter. Dabei waren die beiden früher so dicke! Mit Vergnügen wird in Polizeikreisen die Geschichte erzählt, die Thuraus Tochter mal ganz unbedarft auf einer Veranstaltung ausplauderte: «Der
einzige, der bei uns zu Hause rauchen darf, ist Onkel Norbert.»
Vorbei, heißt es heute, ist diese Freundschaft. Und wie auch immer die Lügen-Vorwürfe ausgehen: Sabine Thurau, die ganz oben angekommen schien, ist schon ganz schön tief gefallen.
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